ABC – Gasaustritt
8. Juli 2021
Hochwasserkatastrophe
12. Juli 2021

Hochwasser in Uehlfeld


 

🚨 Nr. 059 - 129 / 2021
📟 THL - Hochwasser
⏱ 09.07.2021 - 23:55 Uhr bis 11.07.2021 – 18:00 Uhr
🚒 KdoW, MZF, FR, HLF20, TLF16/25, GW
📍 Uehlfeld, Voggendorf, Demantsfürth, Oberhöchstädt

Mit Überschwemmungen muss der Aischgrund und damit auch die Gemeinde Uehlfeld schon immer leben. Das Hochwasser, welches in der Nacht vom 09.07 auf den 10.07 die Gemeinde Uehlfeld traf, überbot jedoch sämtliche Hochwasserlagen der letzten Jahrzehnte. Lediglich 1941 war die Hochwassersituation ähnlich, jedoch stieg das Wasser damals nicht so dramatisch schnell.
In den sozialen Medien kursierten zwar schon einige Videos aus Neustadt/ Aisch und anderen Gemeinden Flussaufwärts, bis in die Abendstunden passierte jedoch in unserer Gemeinde nichts mehr. Der Regen ließ nach, zum teil schien die Sonne. Dies war jedoch nur die trügerische Ruhe vor dem Sturm. Noch ahnte niemand in unserer Wehr, dass Uehlfeld von einem solchen Jahrhunderthochwasser getroffen werden würde.

Der erste Alarm

Gegen 23.55 Uhr wurde dann die Feuerwehr Uehlfeld zu ihrem ersten Einsatz alarmiert. Es galt die Feuerwehr Dachsbach und Oberhöchstädt bei einer Personenrettung mittels Gerätewagen und Boot zu unterstützen. Ein PKW Fahrer fuhr trotz Absperrung auf der bereits vom Hochwasser überschwemmten Verbindungsstraße zwischen Dachsbach und Oberhöchstädt. Auf der halben Strecke versagte dann schließlich der Motor seines PKW und das Fahrzeug drohte wegen der starken Strömung abzutreiben. Dem PKW Fahrer blieb nur noch die Flucht auf sein Fahrzeugdach. Ein Einsatz unseres Bootes war wegen der Strömung nicht möglich. Aus diesem Grund fuhr dann der Gerätewagen (Unimog – Fahrgestell) durch das Wasser und konnte die Person retten. Allein dieser Einsatz zeigte den Wert unseres Unimogs an diesem Wochenende.
Auf dem Rückweg von der Einsatzstelle trauten dann die meisten Kamerad*innen ihren Augen nicht. Über den Festplatz schossen bereits die Wassermassen, sodass die B470 selbst für den Gerätewagen fast nicht mehr befahrbar war. Auch kamen bereits die ersten Meldungen von überfluteten Straßen und vollgelaufenen Kellern im Gemeindegebiet. Innerhalb von einer halben Stunde stieg das Wasser auf eine nicht mehr zu kontrollierende Höhe an. Aus diesem Grund wurde gegen 01:00 Uhr Nachts Vollalarm für die Gemeindefeuerwehren aus Uehlfeld gegeben. Um die Bevölkerung zu warnen, wurde zusätzlich Sirenenalarm ausgelöst. Durch unseren Kommandanten wurden anschließend mehrere Einsatzabschnitte gebildet. Gleichzeitig richtete man eine Einsatzleitung in der Einsatzzentrale des Gerätehauses ein.

Abschnitt Sandsacklogistik

Die Feuerwehren Schornweisach und Tragelhöchstädt, sowie die Besatzung des HLF, fanden sich am Bauhof ein, um unermüdlich mehrere tausend Sandsäcke zu füllen. Dabei wurden die Feuerwehren tatkräftig von vielen freiwilligen Helfern unterstützt. Mittels der gemeindlichen Bulldogs und mehrerer Landwirte wurden die Sandsäcke dann im Gemeindegebiet verteilt.

Abschnitt Gänsmarkt

Das Wasser im Gänsmarkt stand zum Teil bereits Hüfthoch und strömte durch Häuser und Höfe. Die Bewohner der Häuser versuchten noch zu retten was zu retten ist, konnten oft jedoch nur tatenlos zusehen wie das Wasser alles zerstörte. Durch die Besatzung des TLF und MZF wurde im ersten Angriff versucht noch schlafende Bewohner zu wecken und in Sicherheit zu bringen. Auch versuchte man Fahrzeuge aus dem Wasser zu retten. Anschließend wurden mittels Sandsäcken Barrikaden gebildet, um eine noch höhere Überschwemmung zu verhindern. Auch wurden Hauseingänge und Fenster so gut es noch ging verbarrikadiert. Letztendlich mussten auf Grund der Wassermassen dennoch einige Häuser evakuiert werden. Die Bewohner wurden in der Sporthalle der Veit-vom-Berg Schule untergebracht.

Abschnitt Voggendorf / Demantsfürth

Die Ortsteile Voggendorf und Demantsfürth waren von Uehlfeld abgeschnitten. Ein Versuch dorthin mit Großfahrzeugen zu gelangen, musste abgebrochen werden, da Voggendorf für Großfahrzeuge nur mit einem Umweg von ca 40km erreicht hätte werden können. Über Schleichwege und Feldwege konnte schließlich der Abschnittleiter mittels First Responder Fahrzeug dorthin gelangen. Zusammen mit den Feuerwehren Peppenhöchstädt und Rohensaas wurden Hauseingänge und Fenster mit Sandsäcken geschützt. Jedoch stand auch hier bereits das Wasser zum Teil Hüfthoch, sodass mehrere Häuser überschwemmt wurden.
Um 03:00 Uhr Nachts wurden dann auch vollgelaufene Keller in Schornweisach gemeldet. Da jedoch bereits sämtliche Feuerwehren der Gemeinde im Einsatz gebunden waren, wurde hier zur Unterstützung die Feuerwehr Vestenbergsgreuth alarmiert.

Der erste Morgen

Gegen 06:00 Uhr am Samstag früh waren dann die zu diesem Zeitpunkt möglichen Arbeiten in den Einsatzabschnitten erledigt. Auch stieg das Wasser der Aisch nicht mehr und es begann allmählich abzufließen. So konnte im Gerätehaus eine Lagebesprechung mit dem Einsatzleiter, den Abschnittsleitern und dem Bürgermeister stattfinden. In der Einsatzzentrale wurde ein Telefondienst eingerichtet, welcher die aufkommenden Anrufe von Bürgern der Gemeinde, welche vollgelaufene Keller und ähnliches meldeten, annahm. Als es schließlich hell war, wurde das gesamte Ausmaß der Zerstörung im Gemeindegebiet erst sichtbar. Selbst am Torhaus war die Bundesstraße komplett überflutet, sodass diese nicht mehr passierbar war. Da jedoch mehrere Autofahrer dennoch versuchten die Straße zu passieren, wurde schließlich die Feuerwehr Lonnerstadt alarmiert, damit der Verkehr bereits bei Lonnerstadt abgeleitet wurde. Gegen 11:00 Uhr am Samstag konnten die Feuerwehren der Gemeinde beginnen erste Keller leer zu pumpen. Vor allem in der Mühlenstraße waren die eindrückenden Wassermassen bereits zurückgegangen. Durch das THW Neustadt/Aisch wurden weitere Paletten Sandsäcke angeliefert, um Barrikaden entsprechend auszubauen. Gegen 17:30 Uhr konnte sich schließlich auch die Kreisbrandinspektion ein Bild von der Lage in Uehlfeld machen. Daraufhin wurde der Abrollbehälter Hochwasser von der Feuerwehr Scheinfeld angeliefert. Da das Wasser auch im Gänsmarkt langsam anfing abzulaufen, wurden die Feuerwehren Rauschenberg und Altershausen alarmiert. So konnte auch der Gänsmarkt von den restlichen Wassermassen befreit werden. Für die ebenfalls alarmierte Feuerwehr Emskirchen galt es mehrere vollgelaufene Keller, vor allem in der besonders hart getroffenen Burggasse, leer zu pumpen.

Erste Verschnaufpause

Gegen 01:00 Uhr am Sonntag, also rund 25h nach dem ersten Alarm, waren die gröbsten Arbeiten seitens der Feuerwehr erledigt. Die Einsatzbereitschaft konnte vorübergehend aufgelöst werden - zumindest für neun Stunden.

Weitere Aufträumarbeiten waren notwendig

Gegen 10:00 Uhr wurden die Kamerad*innen der Feuerwehr Uehlfeld dann jedoch erneut von den Funkmeldeempfängern zum Einsatz gerufen. Der zurückgegangen Grundwasserpegel ließ es zu auch die letzten Keller von den Wassermassen zu befreien. Diese Maßnahmen, sowie die ersten Aufräumarbeiten im Gerätehaus, zogen sich dann bis 18:00 Uhr hin.

Der Dank gilt der Gemeinschaft!

In zahlen waren an diesem Wochenende 150 Feuerwehrangehörige aus 9 Feuerwehren im Einsatz. Dabei galt es 70 Einsatzstellen abzuarbeiten. Unterstützung erhielten wir und Betroffene von Bürgerinnen und Bürgern der gesamten Gemeinde. Privatpersonen und Gewerbebetriebe packten mit an, füllten und schleppten Sandsäcke, backten Kuchen oder stellten kostenfrei Verpflegung - oder waren einfach für Betroffene da. Wir sind stolz auf den großartigen Zusammenhalt der Gemeinde!